Punta Arenas

Nur zwei Tage die Stadt anschauen

Am achten März kommen wir über die Magellanstraße zurück nach Patagonien. Allerdings deutlich weiter westlich als vor zwei Wochen. Wir fahren von Porvenier nach Punta Arenas. Von dort soll es dann in zwei oder drei Tage weiter gehen nach Norden und endlich in die Berge. Wir wollen jetzt langsam die Anden nicht nur sehen, sondern auch in den Bergen wandern. Nördlich von Punta Arenas kommt zunächst der sehr bekannte und auch von Touristen ziemlich überlaufenen Nationalpark Torres del Paine. Weiter oben, dann wieder auf Argentinischer Seite liegt dann El Chalten. Von dort aus kann man Trekking Touren zu Fitz Roy und Cerro Torre unternehmen und viel schöne Landschaft und Berge sehen. Aber erstmal wollen wir noch Punta Arenas anschauen. Wir ahnen ja noch nicht, dass wir vorerst nicht mehr so schnell hier weg kommen.

Wir finden einen Stellplatz mitten in der Stadt bei Victor. Er bietet seinen großen Parkplatz in der Stadt für geringes Entgelt auch durchreisenden Campern an. Wir entscheiden uns für den Platz weil wir dort frisches Wasser bekommen und praktischerweise auch das WIFI von Victor mit benutzen können. Als wir ankommen ist der Besitzer noch mit seinem eigenen Wohnmobil unterwegs, wir sollen uns aber einfach mal hinstellen meint der Nachbar. Am Abend kommt dann ein riesen Wohnmobil angefahren. Wir erkennen es als das, was vor zwei Wochen auf der Fähre nach Feuerland direkt vor uns stand. So sieht man sich wieder.

Am Montag gehen wir in die Stadt und schauen uns ein bisschen um. Die Stadt ist hübsch, aber wir wollen ja weiter und es hält uns nichts länger hier. Auch die viel gepriesenen Touren zur Isla Magdalena, einer Insel in der Magellanstraße auf der viele Magellanpinguine leben, scheinen uns nicht so verlockend, da man da nur ein oder zwei Stunden Aufenthalt auf der Insel hat und wir ja in Cabo dos Bahias schon einen ganzen Tag lang diesen lustigen Tierchen zugeschaut haben. Also wollen wir am nächsten Tag weiter in Richtung Norden. Zuerst nach Puerto Natales und dann in den Nationalpark Torres del Paine.

Am Dienstag packen wir unsere Sachen, verabschieden uns noch von Victor und wollen dann losfahren. Beim einpacken fällt uns auf, dass bei der Schiebetür hinten zwischen dem Bodenblech und dem Bodenbelag Wasser raustropft. Beim genaueren hinsehen läuft es sogar eher raus. Vor allem wenn man ein bisschen auf dem Boden herum wippt.

Wir haben gestern wieder mal unsere Dusche verwendet und haben schnell den Verdacht, dass das Wasser wohl irgendwo aus dem Bad kommen muss. Da es nicht nur ein bisschen Wasser ist was da aus dem Boden läuft entscheiden wir uns das Problem lieber gleich hier zu lösen. Zumindest haben wir hier eine Stadt mit größeren Geschäften und das Problem muss auf jeden Fall irgendwann demnächst behoben werden. Also wird der Start in die Berge leider erstmal bisschen aufgeschoben und wir versuchen dem Problem auf die Spur zu kommen.

Technische Probleme

Pedro wird erstmal mit zwei Keilen schräg gestellt, damit das Wasser besser raus kommt. Ziemlich schnell wird klar, dass ein Riss in der Dusche die Ursache für das Wasser sein muss. Die Duschwanne ist aus sehr dünnem Plastik und leider nicht gerade vollflächig aufgelagert. Ein alter Riss, der schon mal überklebt wurde ist wieder offen. Wir überlegen ihn einfach zu zu kleben, das wäre aber auch nur eine vorläufige Lösung weil es auf Dauer sicher nicht dicht bleibt. Also bauen wir unsere Toilette aus und versuchen von unten an die Wanne ran zu kommen. Das führt allerdings schnell zu weiterem Frust. Die Dusche liegt auf ein paar Holzrippen auf und dazwischen läuft ein Luftrohr von der Standheizung. Der Erbauer hatte wohl die grandiose Idee die Dusche von unten beheizen zu wollen. Da er das ganze dann auch noch mit Bauschaum fixiert hat sehen wir keine Chance die Duschwanne von unten zu reparieren. Sie würde beim Ausbauen sicherlich kaputt gehen. Eine Alternative wäre vielleicht auch eine komplett neue Duschwanne.

Neben der Abdichtung der Duschwanne müssen wir aber auch noch das Wasser aus dem Boden heraus bekommen. Auf dem Blechboden von Pedro liegen große Platten und darauf steht der ganze Aufbau. Wir entschließen uns also erstmal die Küche auszubauen um dann die Bodenplatte von der Tür her anheben zu können.

Die nächsten Tag verbringen wir abwechselnd mit Reparaturarbeiten an Pedro und Ausflügen zu den verschiedenen Baumärkten und Ferreterias (Bau- und Werkzeugfachgeschäften) von Punta Arenas. Pedro steht weiterhin auf dem Hof von Victor, die Küche ist ausgebaut und wir leben wie auf einer Baustelle. Gekocht wird draußen auf dem Campingkocher und es ist windig und regnerisch. Alles in allem also äußerst ungemütlich.

Nachdem klar ist, dass wir die Dusche nicht erneuern können, beschließen wir sie von oben mit drei Lagen Glasfaser und Kunstharz abzudichten und zu stabilisieren. Dafür müssen wir allerdings erstmal das Material finden. Wir werden von Baumarkt zu Baumarkt und von Ferreteria zu Ferreteria geschickt. Bis wir das benötigte Material zusammen haben vergehen alleine schon fast zwei Tage. Victor versucht auch immer wieder uns zu helfen und schickt uns auch einen Handwerker der uns die Arbeit mit den Glasfasermatten und dem Kunstharz eventuell abnehmen kann, da der aber so schnell keine Zeit hat beschließen wir, dass wir das auch so schaffen. Am Freitag wird dann nach ausführlicher Vorbereitung und professioneller Beratung von meinem Cousin Thomas aus Deutschland die Dusche von oben mit drei Lagen GFK laminiert. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Wir haben jetzt eine Dusche, die auch nach einem Totalschaden von Pedro noch ganz sein wird. Bis wir alles wieder zu ist und der Boden im Bad erneuert dauert es aber noch ein paar Tage.

Neben der Reparatur der Dusche haben wir auch Stück für Stück den Boden der Küche weiter angehoben um das Wasser darunter möglichst gut austrocknen zu können. Zuerst hatten wir einen Heißluftföhn von der benachbarten Autowerkstatt geliehen, dann einen Heizlüfter den uns Victor besorgt hat. Damit konnten wir den Boden ganz gut trocknen und dann am Sonntag auch unsere Küche wieder einbauen. Sonntag Nachmittag war nämlich Besuch angekündigt.

Bei einem unserer Baumarktbesuche werden wir von einem jungen Verkäufer in ziemlich gutem Englisch angesprochen. Ivan ist nicht nur an unserem Problem mit der Dusche interessiert, sondern allgemein an Reisenden aus aller Welt. Er schlägt uns auch ziemlich schnell vor, dass wir vor dem Haus seiner Eltern, in dem er im Moment mit seiner Freundin Dani lebt, mit Pedro stehen können um die weiteren Reparaturen zu machen. Wir bleiben zwar mit Pedro lieber auf dem Hof von Victor stehen, aber die Einladung am Samstag Abend zu ihnen zum Essen zu kommen und dort auch die Dusche benutzen zu können nehmen wir gerne an. Und sobald Pedro wieder halbwegs hergerichtet ist revanchieren wir uns mit einer Einladung und Ivan und Dani kommen am Sonntag Nachmittag zum Crepesessen. Die nächsten Tage sind wir dann immer wieder bei Ivan und Dani und lernen auch Ivans Eltern kennen die eigentlich auf einer Farm nördlich von Punta Arenas leben, aber alle paar Tage nach Punta Arenas kommen.

In der Zeit während wir Pedro reparieren freunden wir uns auch besser mit Victor und seiner Frau Anita an und sind ab und an bei ihnen zu Besuch. Die an und für sich sehr unangenehme Verzögerung und die nervigen Reparaturen an Pedro haben also auch ihr gutes.

Am Sonntag Nachmittag sind dann wie oben geschrieben Ivan und Dani bei uns in Pedro zu Besuch. Delphine ist in der früh noch einkaufen und wundert sich über den vollen Supermarkt. Ivan klärt uns dann auf: Argentinien hat heute bekannt gegeben, dass auf Grund der Situation mit dem inzwischen auch in Südamerika immer mehr grassierenden Corona Virus die Grenzen zu den Nachbarländern die nächsten 15 Tage geschlossen bleiben. Da Magellanes, die Provinz in der wir gerade sind, nur über Argentinien mit dem Auto erreichbar ist, sitzen wir also wahrscheinlich erstmal hier fest. Das ist auch der Grund für den vollen Supermarkt. Plötzlich kommt der ganze Corona Wahnsinn aus Europa auch hier an.

Corona

Wir sind frustriert. Erst eine Woche Verzögerung durch die recht aufwändige Reparatur an Pedro, dann machen die Grenzen zu. Im ersten Moment denken wir noch, wir müssten jetzt nochmal 15 Tage warten, doch nach und nach erfassen wir die ganze Situation und müssen uns klar machen, dass wir sicherlich länger hier festsitzen werden. Es vergehen einige Tage in denen wir vor allem jeden Tag die Nachrichten aus Südamerika und Europa lesen und langsam die Tragweite verstehen die der Ausbruch von Corona mit sich bringt.

Auch kommen immer wieder neue Reisende mit ihren Autos und Wohnmobilen auf Victors Platz. Bis auf uns wollen alle nur ihre Fahrzeuge hier abstellen und möglichst schnell nach Hause. Ein nettes Pärchen aus Holland und eine junge Familie aus Spanien sind für ein paar Tage unsere Nachbarn und reisen dann über Santiago nach Hause. Wir beschließen erstmal zu bleiben. Die Reise abbrechen können wir immer noch. Es gibt noch viele reguläre Flüge und wenn es wieder erwarten gar nicht mehr geht können wir immer noch auf einen Rückholflug der Botschaften von Deutschland oder Frankreich hoffen. Dass alle anderen nach Hause reisen ist allerdings ziemlich frustrierend. Über eine WhatsApp Gruppe hat Delphine aber auch Kontakt zu anderen die auf ihrer Reise wie wir in Chile hängen geblieben sind. Es gibt auch andere die sich überlegen hier zu bleiben. Uns ist natürlich klar, dass das dann nicht nur für ein paar Wochen, sondern eher für ein halbes Jahr sein wird.

Die chilenische Regierung hat inzwischen auch die Schulen geschlossen und den Katastrophenfall wegen Corona ausgerufen. Was das allerdings konkret bedeutet weiß hier erstmal keiner. Auch die Regierung selbst wohl nicht. Einen Tag später wird eine nächtliche Ausgangssperre zwischen 22:00 Uhr und 5:00 Uhr verordnet. Ansonsten passiert aber von Seiten der chilenischen Regierung nichts um den Ausbruch ernsthaft zu stoppen. In den ersten Tagen meint der chilenische Gesundheitsminister in einem Interview sogar noch, er würde erstmal sehen ob das Virus nicht einfach zum guten mutiert und bald wieder weg ist. Die ganzen Maßnahmen scheinen der Regierung eher in die Hände zu spielen, da sie damit die seit Monaten andauernden Proteste der Regierungskritiker erstmal gut unterbinden können. Auch das Referendum über die längst überfällig neue Verfassung wird vom April auf den Oktober verschoben.

Am Samstag sind wir wieder bei Ivan und Dani zum Essen und quatschen. Wir haben einen schönen Abend mit den beiden und sie erzählen uns viel von Chile und der Situation im Land. Am Sonntag Abend laden uns Victor und Anita ein mit ihnen und einem befreundeten Pärchen ein Picknick außerhalb der Stadt an der Magellanstraße zu machen. Wir kommen gerne mit und verbringen einen schönen Abend zu sechst mit Blick über die Magellanstraße auf die Berge der Cordillera Darwin und sehen auch einige Delfine im Wasser. Als wir zurück sind bekommen wir Nachricht von der Botschaft, dass ein Rückholflug aus Chile wohl schon bald starten wird. Wahrscheinlich soll es der einzige bleiben. Jetzt müssen wir uns also entscheiden. Bleiben oder heim fliegen. Angeblich sollen bald keine Flüge mehr aus Chile nach Europa gehen und wie lange es noch Flüge von Punta Arenas nach Santiago gibt kann uns auch keiner sagen. Wir überlegen lange hin und her und wägen alle Möglichkeiten ab. Spät in der Nacht beschließen wir dann doch heim zu fliegen. Den Winter hier im Süden zu verbringen erscheint nicht so verführerisch und dann ggf. keine Chance mehr zu haben von hier nach Hause zu kommen wenn etwas mit unseren Familien ist scheint uns zu unsicher.

Wir buchen also einen Flug für Donnerstag nach Santiago und einen für Samstag von Santiago über Madrid nach München. Wir wollen möglichst viel Puffer zwischen den Flügen haben um bei einem Flugausfall von Punta Arenas nach Santiago trotzdem noch rechtzeitig am Flughafen in der Hauptstadt zu sein. Inzwischen gibt es auch immer mehr Berichte von Reisenden in aller Welt die verzweifel versuchen einen Flug nach Hause zu bekommen und irgendwo gestrandet sind. Wir wollen auf keinen Fall in Santiago hängen bleiben. So wie es im Moment aussieht würden wir von Santiago nicht zurück nach Punta Arenas kommen und hätten dann nur die wenigen Sachen die wir im Fluggepäck mitnehmen und Pedro und alles andere wäre dann in Punta Arenas.

Die Entscheidung ist schwer gefallen, aber zumindest haben wir jetzt eine Entscheidung. Am Montag kommen zwei große Toyota Geländewagen auf den Hof. Der eine ist von Ralph aus Deutschland, der andere von JD aus den USA der mit Alice aus Italien seit längerem unterwegs ist. Ralph muss sein Sabbatical vorzeitig beenden und versucht möglichst schnell eine Verschiffung für sein Auto zu organisieren. JD will sein Auto hier stehen lassen und erstmal heim in die USA reisen um dann nach Corona wieder zu kommen. Alice versucht schon seit Tagen heim nach Italien zu kommen, berichtet aber von mehreren Flügen die sie gebucht hatte und die immer wieder storniert wurden. Wir haben langsam Zweifel, ob das mit unseren gebuchten Flügen klappen wird. Auf jeden Fall machen wir Pedro soweit fertig, dass er über längere Zeit in Punta Arenas stehen bleiben kann und fahren auch mit Victor zum Zollbüro am Hafen um uns zu erkundigen unter welchen Bedingungen Pedro auf seinem Grundstück für längere Zeit stehen bleiben kann. Offiziell dürfen wir und auch Pedro bis maximal zum zweiten Juni in Chile bleiben. Es gibt aber die Möglichkeit die Verantwortung für das Fahrzeug beim Zoll auf Victor zu übertragen, so, dass der dann die Frist nach Ablauf von drei Monaten verlängern kann. Nachdem diese Vollmacht ausgestellt ist, darf Pedro allerdings nicht mehr außerhalb von Victors Grundstück gefahren werden. Wir warten also lieber noch ein bisschen ab, damit wir mit Pedro auch noch mobil bleiben können und verabreden uns mit Victor für den Mittwoch morgen die Übergabe zu machen.

Am Montag Abend kommt dann ein Anruf von der Botschaft in Santiago. Der Rückholflug geht schon am Mittwoch Nachmittag. Ob ich da mitfliegen möchte werde ich gefragt. Ich erkläre, dass ich nur mit Delphine zusammen zurück fliegen werde und sie aber keine deutsche, sondern die französische Staatsbürgerschaft hat. Die Frau erklärt mir, dass das grundsätzlich möglich ist, aber deutsche Touristen erstmal bevorzugt würden. Wenn also noch genug Platz ist darf sie mit, sonst nicht. Toll. Ich soll erstmal eine weitere Mail an die Botschaft schreiben aus der auch hervorgeht dass meine nicht deutsche Parnterin auch mitfliegen möchte. Am Dienstag sind wir dann nochmal beschäftigt Pedro soweit fertig zu machen und unsere Sachen zu packen. Das Dachfenster ist wieder etwas undicht und ich versuche es mit einer Dichtmasse zu reparieren und klebe dann zusätzlich noch zwei Lagen Plastikplane über das Fenster. Hauptsache es kommt über den Winter kein Wasser rein.

Ralph hat inzwischen die Verschiffung für sein Auto organisiert und fährt am Dienstag früh zum Flughafen. Seine Familie bucht von zu Hause aus jeweils den nächsten Flug während der noch in der Luft ist. So kommt er relativ schnell wieder nach Deutschland. JD und Alice fahren ebenfalls im Laufe des Tages zum Flughafen und versuchen ihr Glück. JD treffen wir am nächsten Tag nochmal in Santiago am Flughafen. Er musst zwar 24 Stunden warten, hat dann aber einen Flug bekommen. Alice ist auch unterwegs nach Hause.

Am Dienstag kommen die nächsten Reisenden zu uns. Andreas und Nadia waren als Lehrer in Brasilien und sind dann mit einem alten Bulli durch Südamerika gereist. Jetzt wollen sie auch zurück nach Deutschland. Und mit Markus und Judith hatten wir schon vorher Kontakt. Sie wollten eigentlich wie wir die Corona Zeit in Puerto Natales ausharren, wurden aber von ihren Familien doch dazu überredet heim zu kommen. Den Dienstag Nachmittag verbringen wir nochmal bei Ivan und seiner Familie. Wir haben Ivan, Dani und seine Eltern inzwischen ins Herz geschlossen. Sie waren super hilfsbereit während der ganzen Zeit in Punta Arenas und es waren sehr nette Stunden die wir mit ihnen verbracht haben. Ivans Mutter hat für Delphine und mich zum Abschied sogar noch Gesichtsmasken für den Flug genäht.

Am Dienstag spät Abends ruft dann nochmal eine Mitarbeiterin der Botschaft an. Auf die Frage ob Delphine mitfliegen kann sagt sie sofort ja, damit ist das schon mal geklärt. Sie fragt, ob wir morgen um ca. 18:00 Uhr den Flug von Santiago aus nehmen möchten. Nach den Informationen der Botschaft würde die Fluggesellschaft Latam in den nächsten Tagen den Betrieb ganz einstellen und der Flughafen in Madrid soll auch für Flüge aus dem Ausland gesperrt werden. Sicher weiß sie aber auch nichts. Wenn die Informationen allerdings stimmen, dann müssten wir entweder morgen mit dem Rückholflug heim oder erstmal gar nicht. Es gibt noch Gerüchte über einen Rückholflug der Schweiz der am Sonntag gehen soll und in dem auch noch Plätze frei sind. aber genaue Infos hat keiner.

Wir wollen also versuchen den Flug morgen Nachmittag zu bekommen. Dazu müssen wir sehr früh zum Zoll um die Übergabe von Pedro an Victor zu klären und dann auch direkt danach zum Flughafen in Punta Arenas. Wir wollen versuchen einen Platz in einem Flugzeug zu bekommen was Mittags nach Santiago fliegen soll. Also packen wir unsere Sachen fertig, sind spät am Abend noch auf einen Abschiedstrunk bei Victor und Anita im Wohnmobil eingeladen und stehen dann am Mittwoch ganz früh auf um nach dem Frühstück noch das letzte Wasser aus Pedro abzulassen und alles Winterfest zu verschließen. Beim Zoll wird dann die Vollmacht für Pedro an Victor noch ausgefüllt und danach fährt Victor uns sechs Heimreisende in seinem großen Wohnmobil zum Flughafen. Er hat uns schon bei dem Problem mit unserer Dusche ständig unterstützt und versucht zu helfen und als dann noch die ganze Unsicherheit durch Corona kam hat er uns und allen anderen Reisenden die zu ihm kamen geholfen wo er konnte Der Abschied fällt uns nicht leicht, aber wir hoffen ihn ja vielleicht in ein paar Monaten schon wieder zu sehen.

Heimflug

Am Flughafen wird es spannend. Wenn wir nicht rechtzeitig nach Santiago kommen, müssen wir dort bis Samstag warten wo unser gebuchter Flug gehen soll. Wenn der geht. Vor dem Flughafen stehen Soldaten mit dicken Gewehren. Sie lächeln zwar freundlich, aber das ganze wirkt schon sehr bedrohlich. Im Flughafen sind lange Schlangen an den wenigen geöffneten Schaltern. Wir müssen ja auch noch unseren Flug von Punta Arenas nach Santiago umbuchen von Donnerstag auf Mittwoch. Und ob am Ende ein Platz für uns bei dem Rückholflug ist wissen wir auch nicht sicher. Die Umbuchung klappt recht unkompliziert, allerdings müssen wir einen Flug später nehmen. Das wird dann wirklich knapp. Wir versuchen öfter bei der deutschen Botschaft anzurufen um Bescheid zu geben. Markus und Judith haben den Flug für Mittags schon vorher buchen können, wir anderen vier fliegen dann später. Am Flughafen lernen wir auch noch Lukas und Hanna kennen. Die beiden haben auch ihr Auto erstmal in der Nähe von Punta Arenas geparkt und wollen heim fliegen. Lukas möchte der Dame am Schalter zum Dank noch eine Flasche Wein überreichen weil er die ja eh nicht mit in den Flieger nehmen darf. Die ist überrascht und sagt ihm, dass er die Flasche schon mitnehmen kann uns sie die ohnehin nicht annehmen darf. Also nimmt er sie mit und die beiden leeren den Wein auf dem Flug nach Santiago :-). Nach einigem hin und her erreichen wir am Ende die Botschaft und sie wissen zumindest Bescheid, dass wir kommen. Einen Platz in dem Rückholflug versprechen können sie uns allerdings nicht. Wir kommen aber auf die Warteliste.

Der Flug nach Santiago geht über mehr als 2000 Kilometer über Chile hinweg. Wir sehen einiges von dem Land, dass wir eigentlich die nächsten Monate bereisen wollten von oben. Über dem Torres del Paine Nationalpark lichten sich die Wolken immer wieder und wir sehen die riesigen Gletscher und Seen zwischen den Bergen. Sehr schade, dass wir da nicht zu Fuß durchlaufen können.

In Santiago angekommen laufen Delphine und Hanna sofort los um den Stand der Botschaft zu suchen und uns anzumelden. Von Andreas und Nadia verabschieden wir uns. Sie wollen morgen einen regulären Flug von Latam nach Deutschland nehmen. Lukas und ich holen solange unser Gepäck und laufen dann auch zum Stand der Botschaft. Wir werden schon von weitem gerufen und sollen uns beeilen. Der Flugschalter von Latam, wo der Check-in gemacht wird, schließt gleich. Wir schaffen es aber alle Formalitäten schnell zu erledigen und haben am Ende einen Platz in der Maschine sicher. Der Flug geht dann in knapp zwei Stunden und fliegt direkt nach Frankfurt. Von da können wir dann mit dem ICE nach München. Wir sind ziemlich erleichtert. Nicht nur, dass wir nicht für längere Zeit in Santiago festsitzen, was unsere größte Sorge war. Wir kommen sogar noch schneller heim als das mit einer ganz normalen Linienverbindung möglich wäre.

Als wir dann im Flugzeug sind sitzen wir tatsächlich direkt hinter Markus und Judith und vor Lukas und Hanna. Alle sind erstmal erleichtert, dass es mit dem Flug alles gut geklappt hat. Nach dem Start fliegen wir bald über die Anden in Richtung Argentinien. Der Blick nach unten ist schön, aber wir sind auch traurig, dass wir diesen schönen Kontinent schon wieder verlassen müssen und nicht in Ruhe mit Pedro durch die Anden fahren können.

In Frankfurt laufen wir durch einen gespenstisch leeren Flughafen zum Gepäckband. Bis auf einen weiteren Rückholflug kam hier wohl in letzter Zeit niemand an. Wir holen unser Gepäck und laufen zum Bahnsteig wo unser ICE nach München abfährt. Auch der ICE und die Regionalbahn von München nach Darching sind praktisch leer. In München verabschieden wir uns von Lukas und Hanna und fahren nach Darching, wo meine Mutter unser Gepäck mit dem Auto abholt. Wir wollen lieber nicht mit ihr ins Auto und gehen zu Fuß. Und dann sind wir wieder in Weyarn. Meine Eltern können wir nur aus der Ferne begrüßen, Corona verbietet eine Umarmung. Die Reise ist dann wohl vorerst zu Ende, ob und wann es weitergeht wissen wir nicht, aber dass wir weiter mit Pedro durch Südamerika reisen wollen, da sind wir uns sicher.

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