Reiten mit dem Gaucho

Bei unserem Ausflug zur Fiesta del Ovejero hatte uns Ezequiel ja vorgeschlagen mit ihm und seinen Pferden am Montag Abend einen Ausritt zu machen.

Am Montag sind Ezequiel und Natalia erstmal arbeiten und wir kümmern uns um ein paar Reparaturen an Pedro und warten bis Ezequiel gegen fünf von der Arbeit zurück kommt. Dann geht es mit ihm und Leandro wieder raus zum See wo die Pferde sind. Diese sind normalerweise frei und haben ihre Pfade auf denen sie im Bereich um den See durch den Wald ziehen. Als wir kommen sind sie alle am Grundstück am See. Ezequiel beeindruckt uns, indem er die vier Pferde mit denen wir reiten werden mit dem Lasso einfängt und sie dann alle mit Sattel und Zaumzeug versieht. Natürlich wird mit dem traditionellen Zaumzeug und den Sätteln der Gauchos geritten.

Nachdem Ezequiel unsere Pferde vorbereitet hat heißt es: Aufsteigen und losreiten. Keine großen Einweisungen oder langsames gehen am Zügel.

Für mich ist es das erste mal, dass ich auf so einem Gaul sitze. Das merkt der auch und macht nicht was ich will, sondern was ihm halt gerade gefällt. Da die Tiere aber recht brav sind ist das nicht ganz so tragisch. Sie galoppieren nicht gleich mit uns los, sondern gehen gemütlich in der Gegend rum und lassen sich vor allem von leckeren Sträuchern am Seeufer locken.

Nach einer Viertelstunde habe ich es langsam raus und ab und zu macht mein Pferd was ich will. Vielleicht weil wir eben ab und zu gerade mal das gleiche wollen.

Ezequiel hat die beiden weiteren Pferde inzwischen auch fertig und er und Leandro sitzen auch auf. Dann geht’s los in den Wald. Wenn Ezequiel voraus reitet gehen unsere Pferde brav hinterher. Am Anfang reiten wir noch einer Art Pfad entlang, dann wird es aber immer enger und es liegen haufenweise umgestürzte Bäume auf dem nur noch schwer zu erkennenden Weg. Gelegentlich zweifle ich daran, dass mein Pferdchen über die teilweise ganz schön hohen Baustämme kommt. Aber normalerweise bleibt es vor den Hindernissen kurz stehen, hebt dann mit Schwung die Vorderbeine drüber und macht das ganze hinten nochmal. Meine Aufgabe ist einfach nur oben bleiben. Doch nach und nach merke ich, dass ich langsam auch bestimmen darf wohin wir gehen.

Es geht mitten durch einen völlig verwachsenen Urwald. Wunderschöne Lichtungen wechseln sich ab mit dichtem nur schwer durchdringbaren Wald. Wir sind beeindruckt von den Pferden, die durch dieses Dickicht einfach durchgehen und auch ziemlich hohe Hindernisse mit uns auf dem Rücken relativ einfach überwinden. Irgendwann bin ich dann auch sicher genug um meine Kamera auch zu verwenden und ein paar Fotos und Videos zu machen. Das ist allerdings bei dem ständigen Gewackel nicht so einfach.

Wir drehen eine große Runde durch den Wald und kommen zwischendurch an eine Stelle, an der eines der jungen Pferde von Ezequiel gerade am fressen ist. Ezequiel ist sehr stolz auf das schöne junge Pferd und erzählt uns, dass er es bald auch einreiten wird. Dann fängt er noch zwei andere Pferde, die erstmal zurück in das Gehege sollen von dem aus wir gestartet sind. Während der ganzen Zeit warnt Ezequiel uns immer wieder vor Löchern im Boden, in denen man wohl ganz gut verschwinden kann. Wir sollen die Pferde nicht abseits ihrer ausgetretenen Pfade lenken. Aber da wollen sie ohnehin nicht hin. Das Gewehr, dass er die ganze Zeit auf dem Rücken mit trägt ist wohl vor allem für wilde Hunde gedacht, die hier durchaus auch mal sehr unangenehm werden können. In Feuerland sind diese Hunde in großes Problem. Als Haustiere von den ersten Siedlern mit hierher gebracht wurden sie teils einfach zurück gelassen wenn ihre Besitzer in die Städte gezogen sind. Mit der Zeit haben sie sich immer weiter vermehrt und sind inzwischen eine große Plage, die unter anderem den Schäfern schwer zu schaffen macht.

Zurück am See lässt uns Ezequiel noch eine Weile alleine reiten. Wir haben noch lange nicht genug und probieren unsere neu gelernten Reitkenntnisse am Seeufer aus. Nach einer Weile kommt Ezequiel wieder zu uns und bietet uns an, mit uns noch um den See zu reiten. Wir sagen natürlich nicht nein und so geht es mit tief stehender Sonne nochmal durch den Wald und über abenteuerliche Pfade am See entlang.

Ich bin sicherlich kein großer Pferde-Fan, aber dieses Erlebnis hat mich sehr beeindruckt und begeistert.

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